Man mag es kaum glauben, selbst beim Bäcker gibt es Verkäuferinnen auf 400-Euro-Basis. Jetzt kommt diese freundliche, fleißige, allein erziehende Mutter in den Reformgenuss unserer Parteien. Sie ist krank geworden. Nichts lebensbedrohendes, aber immerhin ein grippaler Infekt.
In unserer „Wohlstand-für-alle“ Gesellschaft ist das nicht schlimm. Sie hat Hartz IV und den 400-Euro-Job ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Da sie die Praxis- und Rezeptgebühren nicht leisten kann, benutzt sie die Krankenkassenkarte von ihrem Kind. Not macht erfinderisch – leider!
Selbstverständlich geht sie weiterhin arbeiten. Das Geld ist im Augenblick wichtiger als langfristig die Gesundheit. Dies ist kein trauriger Einzelfall. Welche Partei steht für soziale Gerechtigkeit und setzt sich für die Abschaffung von Hartz IV ein. Jeder mag die Frage für sich selber beantworten und nicht abwarten sondern handeln.

März 18, 2008 um 9:17
Es muss die Angst sein, die Angst um ihr Leben, die sie antreibt.
Angst
Robert Rutkowski
17.01.2008
Die Lockführer wollten nicht mehr für 1.200 Euro netto arbeiten, sie wollten Geld für ihre Arbeit. Geld von dem man leben kann. Geld, welches auch genügt, fürs Alter vorzusorgen, denn sie haben Angst vor dem Alter, Angst, ob das Geld zum Leben reichen wird. Diese Angst kommt auch nicht von ungefähr, in schön gerechneten Studien kommt man immerhin schon zu dem Ergebnis, dass wohl 4Millionen Arbeiter zurecht Angst vor Altersarmut haben. (…) Frau Suckale, Vorstand der Bahn, Jahreseinkommen 1,75Millionen Euro, belog die Lockführer, dass sie entlassen würden, wenn sie mehr Geld wollten. Die Züge welche zwischen Berlin und München pendeln, werden denn wohl in China fahren. Auch hier nun hatten sie Angst, ob sie es wagen sollen, Geld haben zu wollen, das zum Leben ausreicht. obwohl Ihnen das mit China merkartig vorkam. Es stand die Angst vor Altersarmut gegen die Angst vor Arbeitslosigkeit und Altersarmut abzuwägen. Und selbst nach einem mäßigem Erfolg holt Herr Mehdorn, Jahreseinkommen 3,2Millionen Euro die Angstkeule heraus. Jetzt würden Arbeitskräfte entlassen, und für alle übrigen wird das Bahnfahren teurer. Noch teurer.
Aber genau diese Angst wussten vorher auch schon unsere Politiker zu schüren, die Volksvertreter. insbesondere die so genannten Christen unter ihnen. Und tatsächlich funktioniert es gut.
Die Kollegen haben Angst. Beinahe täglich beuten sie sich aus. Um für viel zu wenig Geld, noch etwas mehr zu arbeiten. Und ganz besonders hat diese Angst bei den einfachen Arbeitern Methode. Einer der direkten Vorgesetzten ist ein Arschloch, ein ganz banales. Aber eigentlich das Sinnbild von Kästners Untertan. An sozialer Inkompetenz kaum zu überbieten, droht er direkt mit Entlassung in die Arbeitslosigkeit. Und eben aus Angst, lassen seine armen Arbeiter dann beinahe alles mit sich machen. Von anzüglichen Bemerkungen gegenüber den weiblichen unter ihnen, ganz zu schweigen, munkelt man sogar von weitergehenden Gefälligkeiten. Weil was soll man machen, wenn die Arbeitslosigkeit droht?
Dabei ist dieser Vorgesetzte ein armes Würstchen. Denn Angst zu haben ist auch sein allergrößtes Problem. Er ist so ein Arschloch, weil er selbst eine Heidenangst hat. Jeden Tag hat er Angst um seinen Dienstwagen, um sein Gehalt, um seinen Status. Selbst Dritten die Schuld für eigene Unfähigkeiten zu geben, macht ihm nichts aus. Er lügt einem ins Gesicht, dass sich die Balken biegen, und der Grund ist Angst.
Der Grund hierfür ist sein Chef. Der Grund ist seine eigene Unfähigkeit und sein Chef. Eigentlich ist dieser Chef fair. Außer wenn er selbst Angst hat. Seit einiger Zeit hat er ziemlich viel Angst, unter anderem weil der Markt auf dem seine Firma agiert kaputt ist, was wohl daran liegt, dass wir Aufschwung haben. Zur Zeit hat der Chef ebenfalls eine Heidenangst. Und tatsächlich hat er am allermeisten zu verlieren. Seine Angst ist nicht unbegründet.
Dabei geht es hier human zu.
Einem lieben Verwandten, in ländlicheren Gefilden arbeitend, wird ganz unverhohlen und offen mit Entlassung gedroht, allein wenn er etwa eine Lohnerhöhung anspricht, die es seit zehn Jahren nicht gab. Was selbst seine Gewerkschaft leugnet -die IG-Metall. Und so kuscht er, eben seit zehn Jahren. Genau wie seine Kollegen. Denn natürlich: auch dort hat man Angst. Verständlich, denn selbst offiziell hat die Gegend 22% Arbeitslose, weil Produktivität ein Segen ist.
Seine Arbeitgeber sind klassische Schmarotzer im übelsten Sinne. Aber letztlich haben auch die nur Angst.
Etwas mehr Angst, als von Arbeitslosigkeit bedrohte, haben dabei nur von Arbeitslosigkeit betroffene. Daran Schuld: Die Restriktions- und Nötigungspolitik der Argen, jener Behörden, die den Opfern des Systems beiseite stehen. Ermessensentscheidungen bestimmen über wohl und wehe. Willkür gibt den Ausschlag ob sich der Hilfesuchende nur einschränken muss, oder ob er und seine Kinder hungern müssen. Sanktionsgrund kann hierbei sein, sich nicht auf Arbeitsplätze zu bewerben, die es nicht gibt. Ein Brief von der Arge bedeutet Angst.
Angst, Angst, Angst. Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vor Altersarmut, Angst vor Krankheit. Angst um den Status, Angst vor dem sozialen Abstieg, Angst um das Leben. Angst um die Zukunft, um die eigene, um die der Kinder.
Angst um das Leben.
Angst.
Kapitalismus.
http://dasdenken.blog.de/2008/01/18/angst~3597185